Urpflanze - Metamorphosen der Pflanzen
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Letztes update 18.12.2025

BuchveröffentlichungMetamorphosen im Pflanzenreich
Metamorphosen im Pflanzenreich
Peer Schilperoord
183 S. 2011

ISBN
978-3-7725-23961-5

Flyer
Inhaltsverzeichnis

Korrigenda / 22.06.11
 
Pedicularis kerneri
Geum reptans

Weizenkeimling frontal

Equisetum
Acht-Wochen-Nuedeli
Blaue-Veltlin-Knospe
Preissia quadrata Quadratkopfmoos
Koernervielfalt Landsorte



Alpenhahnenfuss
Übergänge Hochblatt-Blütenblatt
Prunus_Serrulata
Verlaubtes Fruchtblatt
Urpflanze
Jede Pflanze ist eine spezielle Form der Urpflanze. Das Gemeinsame aller Pflanzen ist die Urpflanze. Die Urpflanze ist ein Model ein Typus mit den dazu gehörenden Gesetzmässigkeiten. Die Metamorphosen, die Verwandlungen offenbaren die der Gestaltung zugrunde liegenden Gesetzmässigkeiten.   

Die Metamorphose der Pflanzen, ein Rätsel

Seit 1980 befasse ich mich immer wieder mit der Metamorphose der Pflanze. Es ist etwas wunderbares zu versuchen das Wachstum der Pflanze nachzuvollziehen. Die Pflanze ist Bewegung, Verwandlung. Mal ändert sie sich langsam mal sprunghaft. Mit der Zeit merkt man, dass die Begriffe mit denen man zunächst an die Pflanze herangeht wie Blatt, Achse und Wurzel neu gegriffen werden müssen. Die Pflanze fordert die Beweglichkeit des Denkens heraus, starre Begriffssysteme verspottet sie.
Es war ursprünglich mein Anliegen die Metamorphose der Pflanze von der Keimpflanze über die grünende und blühende Pflanze bis hin zur Samenbildung an Hand von Goethes Schrift über die Metamorphose der Pflanzen mal nach zu vollziehen. Allerdings scheiterte mein Versuch. Ich konnte Goethes Überlegungen nur teilweise nachvollziehen. Können Sie das Staubblatt in all seinen Facetten aus dem Stengelblatt ableiten? Und wie sehen Sie die Metamorphose zwischen Staub- und Fruchtblatt? Ich konnte das nicht, und so tat sich eine Kluft auf zwischen der populären Auffassung, die besagt dass Staub- und Fruchtblatt Verwandlungsformen des Stengelblattes seien und mein Unvermögen das nachzuvollziehen. Goethes Art des Betrachtens überzeugte mich, es ermöglicht einen lebendigen Zugang zu den Pflanzen. Man lernt nicht nur den Namen kennen, man lernt auch die Pflanze kennen, man begegnet sie. Das war der Grund, wieso ich mich intensiver mit der Metamorphose zu befassen begann.

Metamorphosen im Pflanzenreich - Lesen im Buch der Verwandlungen

Februar 2011 erschien im Verlag Freies Geistesleben das Buch Metamorphosen im Pflanzenreich erschienen. In dem Buch mache ich Vorschläge für eine Erneuerung der Metamorphosenlehre. Das Buch berücksichtigt sowohl die Fortschritte die die Morphologie seit Goethe gemacht hat, als auch die Ergebnisse der molekular-genetischen Forschung der letzten 20 Jahre. Inhaltlich richtet sich das Sachbuch an Botaniker, Genetiker, Philosophen und an alle, die sich an den Metamorphosen der Pflanzen freuen.
Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
Die Arbeiten an der Metamorphose der Pflanze führten zu einem Vorschlag zur Erweiterung der Metamorphoselehre. Etwas Wesentliches fehlt Goethes Metamorphoselehre. Schlussendlich fand ich die fehlenden Begriffen ausgerechnet in Goethes Nachlass, dort wo er von der organischen Entzweiung spricht im Sinne einer Polarität. Ohne Polarität keine Metamorphose. Ohne Entzweiung lässt sich kein drittes Entstehendes denken. Anstelle der von Troll betonten Grundorgantheorie, die auf der Unvergleichbarkeit von Wurzel, Sprossachse und Blatt beruht, schlage ich eine viergliedrige Grundorgantheorie auf der Basis der Polarität von Wurzel und Spross vor. Der Begriff der morphologischen Polarität ist ein Schlüssel zum Verständnis der vegetativen Grundorgane und führt schlussendlich auch zum Verständnis der Trennung der Geschlechter und Bildung der Blütenorgane. Zusätzlich zu den vier vegetativen Grundorganen, betrachte ich Sporangien und Gametangien ebenfalls als Grundorgane. Staub- und Fruchtblatt gehen aus dem Wechselspiel mehrerer Grundorgane hervor. Die Pflanzenmetamorphose ist keine reine Blattmetamorphose, mit dem Blatt verwandeln sich ebenso Sprossachse und Wurzel und die Fähigkeit der Seitenwurzel- und Seitensprossbildung.
Meine Studien führten dann weiter zu den  Lebermoosen, Blattfarnen, Schachtelhalmen und den Nacktsamigen. Gerade beim Vergleichen dieser Gruppen mit den Bedecktsamigen zeigt es sich, wie vorsichtig man sein muss mit den Begriffen, Blatt, Achse und Wurzel, die man an den Bedecktsamigen gebildet hat. In jeder Pflanzengruppe muss man diese Begriffe loslassen und neu fassen, erst dann kann man die Pflanzengruppen fruchtbar miteinander in Beziehung setzen. Die Plastizität befindet sich zwischen den Begriffen. Das Werdende fasst das Gewordene zusammen, Steigerung.
Bis so weit, hatte ich die Bedeutung der vegetativen Knospe für das Verständnis der Metamorphose noch nicht in Betracht gezogen. Das änderte sich 2015 mit dem Vorschlag  die mehrjährige, holzbildende Pflanze als Modell für die Urpflanzezu nehmen. Die allerersten Bedecktsamigen waren holzige Gewächse.
Goethe hat sein Modell der Urpflanze entwickelt an der einjährigen Blütenpflanze. Er war der Auffassung: "Bey Betrachtung der Pflanzen muss man zuerst eine nehmen welche nur jährig ist. Und die betrachteten von den zwey und drey jährigen dazu thun. Denn das Holz und Baum werden kann nur zuletzt erklärt werden." Es stellt sich aber heraus, dass ausgehend von den holzigen Gewächsen die Metamorphosen der Pflanzen am besten erklärt werden kann.

© 2009 Fotos  Peer Schilperoord • Kontakt: schilperoord@bluewin.ch